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Jedes Jahr im März packt Großfamilie Rathsack ihre Sachen und lässt die heimischen Wohnungen in Torgelow und Umgebung für ein neunmonatiges Leben im Wohnwagen und Arbeiten in der Fremde hinter sich. Ohne Rast und Ruh verweilt sie dabei kaum mehr als 6-7 Tage an ein und demselben Ort.

„Warum tut jemand so etwas?“, mag sich jetzt so mancher fragen. „Schuld“ ist eigendlich der Großvater des jetzigen Familienoberhauptes Horst Rathsack, denn der begann bereits im Jahre 1880 mit einem Fahrgeschäft durch die Lande zu ziehen und so für seine Familie und sich den Lebensunterhalt zu verdienen, bis sein ältester Sohn Paul das Geschäft übernahm.

Eigendlich kein Wunder, denn seit ihrer Geburt kennen die Rathsacks das Leben auf dem Rummel. Bevor Horst Rathsack das Fahrgeschäft seines Vaters Paul offiziell übernahm, arbeitete er zunächst als Angestellter mit.
Mittlerweile führen seine vier Kinder Marina, Frank, Korina und Sebastian das Unternehmen erfolgreich weiter, trotzdem ist er noch eng mit den Geschicken des Rathsack`schem Rummelgeschäfts verbunden, und als helfende Hand oft noch mit von der Partie.

Vieles hat sich über die Jahrzehnte verändert. Zog der Urgroßvater noch mit Pferd und Wagen durch die Lande, sieht heute alles viel moderner aus. Mit großen LKW`s befördert die heutige Generation die insgesamt 7 Fahrgeschäfte wie Autoscooter, Schlickerbahn, Babyflug, Miniachterbahn... über die Straßen. An zahlreichen Spielbuden kann man sein Glück beim Schießen, Loseziehen, Ballwerfen, Entenangeln, Pfeilwerfen oder Kugelstechen versuchen.
Und selbstverständlich fehlen auch für die heutige Rummellandschaft so typischen Imbiss- und Süßwarengeschäfte nicht.

Rummelgeschäft ist das wahre Leben und wie überall im wahren Leben gibt es Höhen und Tiefen.
Nachvollziehbar schwer ist es für so ein traditionellen Familienbetrieb, sich in der schnelllebigen Zeit von immer größer, bunter und teurer werdenden Fahrgeschäften und Freizeitparks zu behaupten.

Ihre Engagements führt die Rummelleute immer öfter -auch getrennt- über die Grenzen Mecklenburg – Vorpommerns hinaus. Mittlerweile sind sie auch auf Aufenthalte im Ausland eingestellt und gastieren u.a. auch in Polen.

Trotz aller Widrigkeiten sind die Rathsacks gern unterwegs und erinnern sich bei gemütlichem Zusammensein an so manch amüsante Begebenheit zurück. Zum Beispiel als Frank – noch vor der Wende – versehendlich den „Sonderzug nach Pankow“ von Udo Lindenberg spielte. Das eigendlich Problematische daran war, dass dies direkt vor dem Gebäude der Staatssicherheit in Heringsdorf geschah. Einer durchaus möglichen Verwarnung oder gar Verhaftung entging er damals nur mit sehr viel Glück.

Glücklich sind auch die Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder der Rathsacks, die praktisch von Geburt an Rummelluft schnuppern dürfen und die vielen Fahrgeschäfte zum Teil bereits in ungewöhnlich jungen Jahren ausprobieren. Ein bisschen Routine war wohl mit dabei, als Sebastian im Alter von zwei im Kinderkarussell einfach einschlief und Runde um Runde drehte....

In den wenigen Monaten, die man nicht „auf Tour“ist, werden notwendige Reparaturen an den Geschäften und Wohnwagen vorgenommen, es wird gestrichen und erneuert – alles auf die kommende Saison vorbereitet. Außerdem müssen auch alle Gerätschaften und Wagen regelmäßig dem TÜV vorgestellt werden. Und dann, wenn alles geschafft ist, gibt es auch noch ein paar Tage Urlaub, bevor es im Frühjahr für alle wieder heißt: „Komm, wir ziehen los.“

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